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Aufblühen mit sozialer Waldarbeit

Das BFW arbeitet mit Partnern und dem Verein Green Care Österreich intensiv an Projekten für soziale Waldarbeit. Es geht um Sinn und Wohlbefinden.

Laut Duden bedeutet aufblühen auch, dass man sich entfaltet und entwickelt. Das Aufleben, das Erlangen einer positiven Stimmung wird mit dem Wort aufblühen auf den Punkt gebracht.
Für viele von uns besteht der Alltag aus Arbeitszeit und Freizeit. Die meisten Menschen arbeiten an den Wochentagen zwischen Montag und Freitag. In vielen Berufen ist man aber auch an den Wochenenden oder Feiertage tätig. Unser Job ist ein Teil unseres Lebens, in dem wir viel Zeit verbringen. Im Alltag geht man Tätigkeiten nach, die im besten Fall die eigenen Interessen und Fähigkeiten widerspiegeln, kommt mit anderen Menschen in Kontakt und erhält nicht zuletzt ein Gehalt, mit dem man die Existenz bestreiten und die Freizeit verschönern kann.

Wechsel von Perspektiven

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie jene Menschen sich fühlen, die gerne einer Arbeit nachgehen würden, denen das aber durch äußere Umstände, Schicksalsschläge, physische oder psychische Einschränkungen nur zum Teil möglich ist? Die nicht ein Teil des sogenannten ersten Arbeitsmarkts sind?

Viele Menschen mit besonderen Bedürfnissen befinden sich in dieser Lage. Sie werden als „arbeitsmarktferne Personen“ bezeichnet und sind bestenfalls am zweiten Arbeitsmarkt tätig. Dort werden Arbeitsplätze mit öffentlichen Mitteln finanziert, um den Wiedereinstieg zu erleichtern. Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen gibt es zum Teil wenig Perspektive, diesen Absprung zu schaffen. Außerdem findet Inklusion nur bedingt statt, wenn Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Arbeitsgruppen Tätigkeiten nachgehen, bei denen sie schlussendlich doch nur unter sich bleiben.

Am ersten Arbeitsmarkt fehlt oft die Sichtbarkeit, dass viele Tätigkeiten sehr wohl auch von Menschen mit besonderen Bedürfnissen durchgeführt werden können.

Soziale Waldarbeit

Der Wald ist ein großer Arbeitgeber. Rund 300.000 Menschen arbeiten in Österreich im Wald- und Holzsektor. Hat er auch das Potenzial zur Arbeitsintegration beizutragen?

Ja, hat er. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet, auch einmal über den Tellerrand der klassischen Forstwirtschaft zu schauen. Bei der sozialen Waldarbeit führen benachteiligte Menschen Wald­pflegemaßnahmen durch, mit dem Ziel, langfristig am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bei dieser Idee sind der Waldverband Weiz und die Chance B wichtige Kooperationspartner des BFW. Die Chance B ist ein Anbieter von Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung. Ihr Ziel ist es, für benachteiligte Menschen neue und langfristige Arbeitsfelder am ersten Arbeitsmarkt zu erschließen – wie zum Beispiel im Wald.

Der Waldverband Weiz hat innerhalb des Projekts die Funktion, direkter Draht zu den Menschen zu sein: Er hat zahlreiche Mitglieder, die Wald besitzen und Hilfe bei dessen Pflege benötigen. Wie das im Detail funktioniert? Ein klimafitter, stabiler Wald braucht Aufmerksamkeit. Eine große Anzahl der Waldbesitzerinnen sind jedoch „Hof-fern“, gehen einem anderen Hauptberuf nach, der die nötige Aufmerksamkeit nicht zulässt. Notwendige Pflegemaßnahmen werden da­her oftmals an externe Anbieter übergeben oder gar nicht durchgeführt. Manche der Pflegemaßnahmen können aber durchaus auch von psychisch und physisch eingeschränkten Menschen durchgeführt werden – eine gute Einschulung und Anleitung vorausgesetzt.

Die Pflegemaßnahmen wirken sich aber nicht nur positiv auf den Wald aus, sondern auch auf jene, die im Wald tätig werden. Körperliche Anstrengungen in der Natur, selbstverständlich angepasst an die körperlichen und psychischen Möglichkeiten der Menschen, können sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken. Die Wirkungen sind direkt zu spüren und eine sofortige Bestätigung des eigenen Tuns. Das schöne Gefühl, mit der eigenen Arbeit einen sinnvollen Beitrag geleistet zu haben, ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu sein, ist unbezahlbar und lässt Menschen im Wald aufblühen.

Wertschätzung auf allen Ebenen

Apropos Bezahlung. Nicht alle Waldpflegemaßnahmen lassen sich von Menschen mit Behinderungen durchführen. Aber Tätigkeiten wie etwa das Pflanzen von jungen Waldbäumen, die Wuchspflege, das Pflegen von Böschungen oder Forst­straßen oder auch das Anbringen von Wildverbissschutz können mit gleichwertiger Leistung erbracht werden. Und diese wird den Waldbesitzern auch zu marktüblichen Preisen verrechnet.

Wichtig ist im Vorfeld die fundierte Schulung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die durch spezielle Ausbildungseinheiten an den forstlichen Ausbildungsstätten im Vorfeld der Tätigkeiten abgewickelt werden.
Zum fachlichen Rüstzeug bedarf es außerdem der Be­treuung vor Ort. Mitarbeiterinnen der Chance B sorgen gemeinsam mit Waldhelfern und dem Team des Waldverbands dafür, dass die Arbeiten im Wald mit entsprechender Sicherheit verrichtet werden.

Die bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts Soziale Waldarbeit haben hohe Motivation für ihre Tätigkeiten im Wald mitgebracht und ihre Wertschätzung für die Arbeit und den Lebensraum Wald durch ihre hohe Sorgfalt zum Ausdruck gebracht. Das BFW hat noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die der Wald für Green Care Projekte bietet. Damit Aufblühen im Wald das ganze Jahr stattfinden kann.