Skip to content
CLICK TO ENTER

Dipl.-Ing. Ferdinand Kristöfel verstorben

Der ehemalige Mitarbeiter und Abteilungsleiter am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), Dipl.-Ing. Ferdinand Kristöfel, ist am 5. März 2022 überraschend verstorben. Er hat maßgeblich an Monitoringmaßnahmen zum Waldzustand mitgearbeitet und waldwachstumskundliche Versuche betreut. Im Mai 2020 während des ersten Corona-Lockdowns trat Kristöfel in den Ruhestand.

Nach dem Studium der Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur und dem Lehrgang „Geoinformationswesen“ an der Technischen Universität Wien hat Ferdinand Kristöfel fortlaufend in der Forstwissenschaft gearbeitet und seine Arbeit ganz wesentlich dem Monitoring des Waldzustandes und der Entwicklung des österreichischen Waldes gewidmet. Dabei war er zunächst bei der Studiengesellschaft für Bauernfragen angestellt und hat als Taxator und Programmierer wertvolle Beiträge für die Waldzustandsinventur und das Waldschaden-Beobachtungssystem geliefert. Mit diesen Erfahrungen war er ab 1991 ein hochwillkommener Mitarbeiter an der damaligen forstlichen Bundesversuchsanstalt FBVA am Institut für Waldwachstum und Betriebswirtschaft. Dort hatte er ab 1995 die Leitung der Abteilung für Waldschadenserfassung und Waldbewertung inne.

Fokus auf Waldschaden-Beobachtungssysteme

Der Schwerpunkt seiner Arbeit an der FBVA/BFW war zweifellos die Mitarbeit und Koordination der Monitoringmaßnahmen im Waldschaden-Beobachtungssystem, das Ende der 1980er Jahre als Reaktion auf das Waldsterben ins Leben gerufen wurde. Dieses Projekt stellt eines der größten Projekte der FBVA dar und integrierte institutsübergreifend eine Vielzahl von Erhebungen, die u.a. von Ferdinand Kristöfel koordiniert und zusammengefasst wurden. Seine Beiträge zum Waldzustand waren über mehrere Jahrzehnte wichtige Information für die österreichische Wald- und Umweltpolitik (z.B. den Waldbericht) und die interessierte Fachöffentlichkeit. Damit verbunden war auch seine Mitarbeit als nationaler Vertreter im internationalen Monitoringnetzwerk ICP-Forests. Mit seinen langjährigen Erfahrungen konnte er wesentlich dazu beigetragen, die im Rahmen der Waldsterbensdebatte der 1980er Jahre entstandene Waldzustandsbeobachtung zu hinterfragen und letztendlich zu einem modernen Waldmonitoring umzubauen, in dessen Rahmen heute mit modernsten Methoden Fragestellungen des Klimawandels untersucht werden können.

Darüber hinaus verfolgte Ferdinand Kristöfel zahlreiche weitere wissenschaftliche Interessen: Zu nennen ist hier vor allem die Betreuung und Auswertung von waldwachstumskundlichen Versuchen zum Anbau nichtheimischer Baumarten. Ein Teil dieser Versuche wurde bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und so folgte Ferdinand Kristöfel hier der langen und ehrenwerten Tradition namhafter österreichischer Forstwissenschaftler bei der Weiterentwicklung unseres Wissens.

Nicht zuletzt hat Ferdinand Kristöfel als Programmierer und Betreuer wichtiger Datenbanken am BFW maßgeblich dazu beigetragen, die wachstumskundlichen Daten von Feldversuchen von mehr als 100 Jahren zu digitalisieren und diese für zukünftige Generationen von Wissenschaftlern verfügbar zu machen. So umfasst die von ihm erstellte Datenbank derzeit etwa 930.000 gemessene Bäume von 142 verschiedenen Versuchen, von denen die ältesten Messungen aus der Zeit um 1900 stammen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des Institutes für Waldwachstum, Waldbau und Genetik des BFW