Skip to content
CLICK TO ENTER

Wald erleben – Daten zeigen Wirkung

Frau mit Sonnenbrille, die im Wald einen Baumstumpf umarmt.

Die REFOMO-Daten zeigen, wie wertvoll der Wald als Erholungsraum ist. Sie schaffen neue Chancen für die forstliche Praxis: fundiert planen, gezielt lenken, besser vermitteln.

Der österreichische Wald erfüllt viele Ökosystemleistungen – er liefert Holz, schützt vor Naturgefahren, speichert Kohlenstoff, erhält Biodiversität und bietet nicht zuletzt einen Raum für Erholung. Gerade letztere Leistung gewinnt angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und eines zunehmenden Gesundheitsbewusstseins stark an Bedeutung. Dennoch fehlt es bislang an systematischer, flächendeckender Information zur Erholungswirkung des Waldes. Das vom Waldfonds geförderte Projekt REFOMO („REcreation FOrest MOnitoring“) hat erstmals Daten erhoben, die diese Lücke schließen. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für Waldbewirtschafter:innen und Entscheidungsträger:innen und sie stärken die Argumentation des Waldes als gesellschaftlich relevanter Ökosystemleistungsträger. Die Kooperationsstudie, die gemeinsam mit dem Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung (ILEN) an der BOKU University durchgeführt wurde, zeigt, dass nahezu 90 % der österreichischen Bevölkerung den Wald zur Naherholung nutzen. Besonders intensiv erfolgt dies aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in stadtnahen Gebieten, etwa im Umfeld von Wien, Graz oder Salzburg. Diese Nutzung ist regelmäßig und stark saisonal geprägt – mit Höhepunkten in der warmen Jahreszeit und an Wochenenden. Die häufigsten Aktivitäten sind Wandern, Spazieren, Sammeln oder Beobachten von Pflanzen und Tieren. Der Wald wird von vielen als Gegenwelt zum Alltag verstanden, als Ort der Ruhe, Entschleunigung und Naturverbundenheit.

Erholung ist kein Randthema

Was bedeutet das für die forstliche Praxis? Zunächst einmal: Die Erholungswirkung des Waldes ist ein wesentlicher Bestandteil seiner gesellschaftlichen Leistung. Systematisch erhobene Daten machen diese Leistung sichtbar, quantifizierbar und besser planbar. Der Wald dient als Ort des Wohlbefindens, was nicht nur subjektiv erlebbar, sondern auch messbar ist. Dies ermöglicht eine fundierte Argumentation im politischen, wirtschaftlichen und planerischen Diskurs. Für die Forstpolitik eröffnet sich damit ein zusätzlicher Handlungsrahmen. Besonders in stark frequentierten Gebieten können sie durch angepasste Pflegekonzepte, saisonal abgestimmte Holzernte oder gezielte Gestaltung von Waldrändern und Sichtachsen auf die Bedürfnisse der Erholungssuchenden eingehen.

Kommunikation auf Augenhöhe

Gleichzeitig wird deutlich: Nicht jede waldbauliche Maßnahme wird als negativ erlebt. Vielmehr zeigt sich eine große Offenheit der Bevölkerung gegenüber Eingriffen, wenn sie verständlich kommuniziert und als notwendig erkannt werden – etwa zur Förderung klimafitter Baumarten oder zur Stärkung der Mischwälder.

„REFOMO zeigt, dass vielen Menschen der Erhalt des Waldes am Herzen liegt und ein hohes Bewusstsein für klimabedingte Waldschäden besteht. Das ist eine wertvolle Basis, um in der Öffentlichkeit über den klimafitten Wald und seine Bedeutung für die Gesellschaft zu informieren“, sagt die Projektmitarbeiterin Annick Kleiner (BFW).

Für die forstliche Praxis bedeutet das: Die Gestaltung des Waldbildes ist ein wesentliches Element der Erholungsqualität. Mischbestände mit unterschiedlichen Altersklassen, das gezielte Belassen von Altbäumen, das Schaffen von Lichtungen oder der Erhalt von Totholz in moderatem Maß tragen zur wahrgenommenen Attraktivität bei. Gleichzeitig ist die Erreichbarkeit entscheidend: Menschen besuchen häufiger jene Waldgebiete, die fußläufig erreichbar sind und ein hohes Maß an Natürlichkeit, Ruhe und Vielfalt bieten. Die Verfügbarkeit solcher Qualitäten ist regional unterschiedlich – besonders in waldfernen Gebieten ist der Zugang erschwert.

Wald für Hitzegeplagte

Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft die Rolle des Waldes für die körperliche und psychische Gesundheit. Die große Mehrheit der Befragten sieht im Waldbesuch eine wichtige Ressource für das eigene Wohlbefinden. Je häufiger Menschen den Wald aufsuchen, desto positiver wird der Effekt bewertet. Man kann das Potenzial des Waldes als Gesundheitsraum in der Forstwirtschaft nutzen, indem man mit Gemeinden oder Gesundheitsinitiativen kooperiert, geeignete Infrastrukturen schafft, die gezielt die Erholung fördern, oder Angebote im Bereich Green Care entwickelt. Der Wald erfüllt hier eine öffentlich relevante Aufgabe, die über klassische forstliche Ziele hinausgeht.

„Der Wald wirkt positiv auf die physische, mentale und soziale Gesundheit des Menschen. Der Wald eignet sich als Ort der Prävention und Therapie, wenn er von den Menschen als erholsam wahrgenommen wird. Gerade für die hitzegeplagten Städter:innen stellt er einen kühleren Zufluchtsort im Sommer dar“, resümiert Projektmitarbeiter Arne Arnberger (BOKU).

Schließlich tragen die Daten auch zur Versachlichung der Diskussion über Konflikte bei. Zwar nehmen viele Waldbesitzer:innen eine Zunahme an Erholungsdruck wahr, und auch einzelne Störungen durch Nutzer:innen – etwa durch Nichtbeachtung von Sperren – werden als Herausforderung benannt. Gleichzeitig zeigt sich, dass schwerwiegende Konflikte eher die Ausnahme sind. Eine vorausschauende Kommunikation und gezielte Besucherlenkung können hier viel bewirken.

„In stärker frequentierten Waldgebieten kann ein in den Betrieb eingebundenes Monitoring und Management der Erholungsnutzung dazu beitragen, deren wirtschaftliches Potenzial besser auszuschöpfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu entschärfen. Gleichzeitig bietet es die Chance, waldbezogene Umweltbildung wirkungsvoll umzusetzen“, erklärt Projektmitarbeiterin Annick Kleiner.

Forstliches Handeln für Lebensqualität

In Summe ermöglichen die Erkenntnisse aus REFOMO eine neue Sicht auf den Wald als gesellschaftliches Gut. Sie stärken den Beitrag des Waldes zur Lebensqualität, unterfüttern politische Diskussionen mit belastbaren Zahlen und schaffen eine Grundlage für eine integrative Waldbewirtschaftung, die ökologische, ökonomische und soziale Leistungen gleichermaßen berücksichtigt. Für forstliche Entscheidungsträger:innen heißt das: Wer die Erholungswirkung aktiv mitdenkt und mitgestaltet, stärkt nicht nur die gesellschaftliche Akzeptanz für forstliches Handeln, sondern leistet einen konkreten Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Waldes – als Lebensraum, Wirtschaftsraum und Erholungsraum zugleich.

Dieser Artikel ist in der Lichtung 15 zum Thema Ökosystemleistungen des Waldes erschienen. Das Magazin ist kostenlos im BFW-Webshop erhältlich.