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Zukunft des forstlichen Saat- und Pflanzguts in Österreich

Beim „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ wurden zahlreiche Maßnahmen zur Versorgung mit forstlichem Saatgut- und Pflanzgut in Österreich sowie innovative Forschungsprojekte vorgestellt. Es wurden auch Herausforderungen und Strategien für die Zukunft diskutiert.

Am 14. Januar 2026 fand am Bundesamt für Wald in Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) der erste „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ statt. Zahlreiche Vertreter:innen von Saatgut- und Forstpflanzenproduktion, der Behörden sowie der Wissenschaft folgten der Einladung und nutzten die Gelegenheit, um in einen konstruktiven Dialog über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven im Bereich des forstlichen Vermehrungsgutes zu treten.

„Das forstliches Vermehrungsgut ist ein zentrales Steuerungsinstrument für die Zukunft unserer Wälder. Entscheidungen, die heute in Baumschulen, bei der Saatgutgewinnung oder im Vollzug getroffen werden, wirken über Jahrzehnte“, so Bundesminister Norbert Totschnig.

„Saatgut- und Forstpflanzenproduzenten leisten hier einen wesentlichen Beitrag: Sie verbinden hohe fachliche Kompetenz mit großem Engagement und tragen wesentlich dazu bei, dass qualitätsgesichertes und standortangepasstes Vermehrungsgut tatsächlich verfügbar ist.“

Weniger Fichte, mehr Weißtanne und Stieleiche

Die Veranstaltung bot den zahlreichen Tagungsgästen aus ganz Österreich wertvolle Einblicke in die gegenwärtige Marktsituation, die durch eine hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigem forstlichen Vermehrungsgut gekennzeichnet ist.

In Österreich stehen 4.780 anerkannte Erntebestände, 71 Samenplantagen sowie 81 Pappelmutterquartiere für die Gewinnung forstlichen Vermehrungsgutes zur Verfügung. Im Zeitraum 2011 bis 2025 erfolgten in den Reifejahren insgesamt 2.738 Beerntungen, aus denen Saatgut von 33 verschiedenen Baumarten gewonnen werden konnte. Die Beerntungen verteilten sich auf die Saatgutkategorien quellengesichert (263 Beerntungen, 12,7 t), ausgewählt (2.137 Beerntungen, 678,5 t) und qualifiziert (338 Beerntungen, 176,6 t).

Die Umsetzung der Empfehlungen für einen klimafitten Waldumbau spiegelt sich in der aktuellen Forstpflanzenstatistik (Vergleich 2012/13 und 2023/24) wider. Der Absatz von Fichtenpflanzen ist rückläufig (von 16,9 Millionen Stück im Jahr 2012 auf 8,1 Millionen im Jahr 2024), während sich die Verkaufszahlen insbesondere von Weißtannen (von rund 940 000 auf 2 Millionen Stück) und Stieleichen (von rund 310 000 auf 1,1 Millionen Stück) stark erhöht haben.

Schwerpunkt der Forschung auf Baumartenwahl, Herkunft und Genetik

In den letzten Jahren konnten durch den österreichischen Waldfonds zahlreiche bedeutende Forschungsprojekte realisiert werden. Ein Schwerpunkt der Forschung am BFW liegt u. a. auf der Baumarten- und Herkunftswahl sowie der Forstgenetik.

So ist es von besonderer Bedeutung, dass die Ergebnisse aus der Forschung in der Praxis Anwendung finden. Beim „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ wurden die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert.

Waldfonds-Projekt zur Saatgutproduktion realisiert

Im Rahmen des Waldfonds konnte auch das Forstliche Plantagenzentrum Südburgenland realisiert werden, das einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung mit forstlichem Vermehrungsgut in Österreich darstellt. Angesichts von Wetterextremen und neuen Schädlingen gewinnt die Saatgutproduktion an Bedeutung, weshalb forstliche Samenplantagen eine zunehmend wichtiger werdende Rolle übernehmen, da sie eine bessere Kontrolle über Umweltbedingungen ermöglichen. Das neue Plantagenzentrum ist ein entscheidender Schritt, um den steigenden Bedarf an qualitativ hochwertigem Saatgut zu decken.

Im Rahmen des GAP-Strategieplans werden wichtige Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der genetischen Ressourcen des Waldes gefördert. Dies umfasst die Saatguternte und -aufbereitung sowie für die Pflege von Plantagen und Saatgutbeständen.

Auf europäischer Ebene ist eine neue EU-Vermehrungsgutverordnung in Vorbereitung. Über die künftigen Regelungen und deren Auswirkungen für die Praxis, als auch für Verwaltung und Kontrolle wurde informiert.

„Das Bundesamt für Wald ist seit Jahrzehnten eine zentrale Einrichtung. Es vereint Fachkompetenz, Erfahrung und Verantwortung und sorgt dafür, dass gesetzliche Vorgaben verlässlich umgesetzt werden, Qualität und Herkunft des Vermehrungsguts gesichert sind und Vertrauen in das System besteht. Gerade in Zeiten zunehmender Herausforderungen – Klimawandel, neue Schadorganismen und kommende europäische Regelungen – zeigt sich, wie wichtig eine stabile und fachlich fundierte Behörde ist“, so Peter Mayer, Direktor des Bundesamtes für Wald.

Die Veranstaltung stellte nicht nur eine wertvolle Informationsquelle dar, sondern förderte auch den Austausch zwischen Fachleuten und Entscheidungsträgern, um die Weichen für eine nachhaltige Zukunft der Forstwirtschaft bestmöglich zu stellen.

Hinweis zum Titelbild: Abgebildete Personen (v.l.n.r.): Herr H.Gadermair (Baumschule Gadermair und Obmann des Verbands der österreichischen Forstpflanzenproduzenten, M. Sumereder (BMLUK), S. Schüler (BFW), S. Salzmann (Bundesamt für Wald), Sektionschefin E. Moser (BMLUK), BFW-Leiter P. Mayer, M. Prskawetz, K. Kaiser, G. Greutter, J.Molterer (alle BMLUK), H. Konrad (BFW)