Kuriose Figur: Fang den Juchtenkäfer (oder Eremit)
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Ein umgestürzter Altbaum nach einem Sturm im Bezirk Amstetten hat vor kurzem für eine überraschende Entdeckung gesorgt: In seinem morschen Stamm wurden Juchtenkäfer (Osmoderma eremita), auch Eremiten genannt, nachgewiesen. Der Fund unterstreicht, wie wichtig alte Laubbäume als Lebensraum für diese streng geschützte Käferart sind.
Dass der Juchtenkäfer öffentliche Aufmerksamkeit erregt, ist nicht neu. Kaum ein anderes heimisches Insekt hat in Österreich in den vergangenen Jahren vergleichbar viele Debatten ausgelöst. Besonders bekannt wurde die Art durch den Konflikt um den Bau einer Reha-Klinik im Wiener Hörndlwald, wo ihr möglicher Nachweis den Baubeginn verzögerte und Naturschutz, Anrainer und Projektbetreiber gegeneinander aufbrachte. Der aktuelle Fund im Mostviertel zeigt jedoch, dass der Eremit weit mehr ist als ein Symbol von gesellschaftlichen Debatten: Er ist ein wichtiger Indikator für naturnahe, alte Baumbestände.
Was hat es mit diesem Käfer auf sich?
Die streng geschützte Schirmart aus der Familie der Blatthornkäfer zeigt sich nur selten. Aktiv ist der schwarz schillernde Käfer meist nur an warmen Sommertagen mit Temperaturen über 25 Grad Celsius. Äußerlich erinnert er entfernt an den ebenfalls zu den Blatthornkäfern gehörenden Mistkäfer, allerdings ohne dessen charakteristische Dungballen.
Was bei ihm auffällt, ist sein pillenförmiger Kot, der häufig als Hinweis auf seine Anwesenheit dient. Doch selbst dieser zerfällt meist innerhalb kurzer Zeit. Zuhause ist der zwei bis vier Zentimeter große Käfer in den mit Mulm gefüllten Höhlen und Stammanbrüchen alter Laubbäume, die oft 200 Jahre oder älter sind. Seine Entwicklung verläuft langsam: Drei bis vier Jahre benötigt die Larve bis zum ausgewachsenen Käfer. Eine geeignete Bruthöhle kann dabei über Generationen hinweg bewohnt werden.
Dadurch wird deutlich, dass der Juchtenkäfer kein klassischer Totholzbewohner ist. Er ist vielmehr auf Höhlen in lebenden Altbäumen angewiesen. Weil er den Großteil seines Lebens verborgen in seiner Bruthöhle verbringt, war über seine Lebensweise lange Zeit nur wenig bekannt. Erst seit seiner Aufnahme als streng geschützte Art in die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (1992) und in die Berner Konvention hat sich das Wissen über seine Verbreitung und Ökologie deutlich erweitert.
Seine Schirmherrschaft
Ist eine Art als zu schützende Schirmart eingestuft, ist ihre Präsenz mehr als erwünscht. Denn eine Schirmart hat ein so großes bzw. bedeutendes Habitat, dass ihr Schutz viele andere Arten trittbrettartig mitschützt. Ist der Juchtenkäfer, dessen intensiver Geruch an Marillen erinnert, vorhanden, dann weiß man, dass der Baumbestand sein natürliches Alter erreichen könnte, an dem auch viele andere hoch gefährdete Organismen gekoppelt sind. Hudewälder, unter Naturschutz stehende ehemalige Weidewälder, sind seine Habitate, aber auch Parkanlagen, Alleen oder sogenannte Kopfbäume. Als Kopfbäume gelten Laubbäume, die nur im oberen Bereich geschlägert werden und wieder austreiben können, wie Weiden, Pappeln, Erlen, Eschen, Buchen u.a.
Da sein Verschwinden oft mit Unkenntnis und der damit einhergehenden unsachgemäßen Bewirtschaftung von Altbaumbeständen zu tun hat, könnten Kampagnen in vielen Fällen entgegenwirken. Sind größere wirtschaftliche und wohlfahrtstechnische Interessen im Spiel, gelten andere Maßstäbe, die ausverhandelt werden müssen. Was letztlich noch möglich ist, ist die Umsiedlung der Käfer-Larven bzw. von ganzen Höhlenbäumen. Diese Vorhaben sind sehr sensibel, erfordern Spezialisten und es ist nicht gesichert, dass sich der Eremit tatsächlich wieder ansiedelt. Erfreulicherweise wurden ab 2008 in Niederösterreich mehrere bislang unbekannte Vorkommen des Juchtenkäfers identifiziert und kartografiert.

Institut für Waldschutz: Priv. Doz. Dr. Gernot Hoch
Portrait: Mag.a Marianne Schreck
Informationen auf European Environment Agency
Diese Art wird u.a. im Waldartenatlas porträtiert. Erhältlich im BFW-Webshop