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Aktuell: Borkenkäfer in Österreich

Gernot Hoch

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Die Borkenkäfersituation bleibt angespannt: Erfahren Sie, wie sich Trockenheit und Hitze auf den Befallsdruck auswirken, welche Maßnahmen jetzt wichtig sind und wie das Borkenkäfer-Dashboard bei der Früherkennung unterstützt. Waldschutz-Experte Gernot Hoch gibt einen aktuellen Überblick über die Borkenkäfersituation in Österreich.

Redaktion: Wie stellt sich die aktuelle Borkenkäfersituation in unserem Wald derzeit dar?

Gernot Hoch: Viele Monitoringfallen (verteilt über Österreich) zeigen weiterhin hohe Flugaktivität der Buchdrucker, es ist also mit erheblichem Befallsdruck zu rechnen. In den tieferen Lagen steht die zweite Generation, die sich in dem Jahr entwickelt hat, kurz vor dem Abschluss oder ist sogar bereits fertig entwickelt. Diese Käfer fliegen nun aus und suchen neue Wirtsbaume für die Eiablage. In den höheren Lagen ist die Entwicklung der zweiten Generation im Gange.  

Wie wirkt sich die anhaltende Trockenheit auf die Widerstandskraft der Bäume aus?

Die nun auf der Suche nach Wirtsbäumen ausfliegenden Käfer treffen auf Fichten, die in ihrer Abwehr aufgrund der Trockenheit sehr stark geschwächt sind. Perioden mit andauernder Trockenheit im Sommer wirken häufig als Auslöser für hohe Borkenkäferschäden.

Wie unterscheidet sich das heurige Jahr von den vergangenen Jahren?

Im heurigen Jahr ist die Trockenheit wesentlich ausgeprägter als in den Vorjahren. Die extreme Hitze verschärft die Situation.

Welche Maßnahmen werden eingesetzt, um die Ausbreitung des Borkenkäfers einzudämmen?

Identifikation frisch befallener Bäume und deren rechtzeitige Entfernung bleibt die wichtigste Maßnahme.

Welche Rolle spielen eine rasche Kontrolle und die zeitnahe Aufarbeitung befallener Bäume?

Nur wenn die Gegenmaßnahmen gesetzt werden können, bevor sich eine Massenvermehrung aufbaut, haben sie Aussicht auf Erfolg. Wenn es einmal zu massivem Stehendbefall kommt, lässt sich kaum mehr gegensteuern.

Gibt es Regionen, in denen die Situation derzeit besonders angespannt ist?

Das witterungsbedingte, erhöhte Risiko betrifft die meisten Regionen in Österreich.

Welche Auswirkungen hat der Borkenkäfer auf die langfristige Entwicklung unserer Wälder?

Der Buchdrucker wird in den Tieflagen für einen weiteren Rückgang des Fichtenanteils sorgen. In den Hochlagen, wo die Fichten auch unter Klimawandelbedingungen gute Bedingungen vorfindet, wird das Buchdruckerrisiko aufgrund besserer Entwicklungsbedingungen hoch sein. Integriertes Borkenkäfermanagement ist daher notwendig für die Waldbewirtschaftung.

Welche Rolle spielen klimaresiliente Mischwälder im Umgang mit zukünftigen Borkenkäferwellen?

Die Gefährdung von Waldbeständen für Buchdruckerbefall gering zu halten, ist das wesentliche vorbeugende Mittel im Borkenkäfermanagement. Eine Erhöhung der Vielfalt an Baumarten aber auch in der Altersverteilung tragen dazu bei. Dies gilt sowohl auf Bestandes- als auch auf Landschaftsebene.

Was können Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer derzeit tun, um ihre Bestände bestmöglich zu schützen?

Die Fichtenbestände kontrollieren und bei Befall rasch reagieren, d.h. befallenen Bäume entnehmen. Es sollte auch jetzt nichts getan werden, was die Anfälligkeit gegenüber Borkenkäfer erhöht, z.B. keine neuen Bestandesränder oder offene Stellen schaffen, wenn nicht aufgrund von Bekämpfungsmaßnahmen nötig.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung für den restlichen Sommer und Herbst ein?

Das Borkenkäferrisiko wird hoch bleiben. Wo und wie stark es zu Stehendbefall kommen wird, lässt sich nicht vorhersagen.

Welches Tool hat man mit dem Borkenkäfer-Dashboard in den Händen?

Wesentliche Informationen für das Borkenkäfermanagement stehen damit zur Verfügung. Das Modell PHENIPS berechnet die potenzielle Entwicklung anhand meteorologischer Messdaten. Karten zur Klimatischen Wasserbilanz (neu im Dashboard) und zum Klimatischen Dürreindex geben Auskunft über die potenzielle Wasserversorgung. Und Karten zur Anfälligkeit von Beständen und Standorten zeigen die räumliche Verteilung unterschiedlich gefährdeter Bereiche.

Waldbild, einige Bäume sind kaputt, vom Buchdrucker befallen (Foto: Anna Walli, BFW)
Foto: Anna Walli/BFW