Klimafitte Auwälder: Blattbehaarung als Indikator für robuste natürliche Pappel-Hybride
Beitragsinhalt
Die Anpassung unsere Wälder an den Klimawandel ist eine der zentralen Herausforderungen der Forstwirtschaft. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) zeigt: Die genetische Zusammensetzung von Pappel-Hybriden bestimmt maßgeblich, wie gut Auwälder künftig wachsen, Kohlenstoff speichern und wirtschaftlich genutzt werden können.
Pappeln gehören zu den wichtigsten Baumarten in Auwäldern. Sie wachsen schnell, liefern hochwertiges Holz und binden große Mengen Kohlenstoff. Gerade unter sich verändernden Klimabedingungen bieten sie daher ein großes Potenzial – sowohl für Waldbesitzer:innen als auch für die Gesellschaft.
Pappeln als Schlüssel für zukunftsfitte Wälder
Die neue Forschung zeigt: Nicht alle Pappeln eignen sich gleich gut. Entscheidend ist, welche genetischen Anteile sie von ihren Elternarten – Silberpappel und Zitterpappel – geerbt haben.
„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass die genetische Zusammensetzung maßgeblich bestimmt, wie widerstandsfähig und leistungsfähig natürliche Pappel-Hybride sind. Dieses Wissen kann helfen, Wälder gezielt an zukünftige Klimabedingungen anzupassen“, erklärt Erik Szamosvári, Erstautor der Studie.
Nutzen für Waldbesitzer:innen und Gesellschaft – Mehr Wachstum, höhere Sicherheit
Besonders Hybride mit einem hohen Silberpappel-Anteil bieten klare Vorteile:
- geringere Sterblichkeit in den ersten Jahren
- schnelleres Jugendwachstum
- höheres Stabilitätspotenzial unter Stressbedingungen
Diese Eigenschaften sind für Waldbesitzer:innen doppelt relevant: Sie senken das Ausfallrisiko und ermöglichen ein schnelleres Wachstum.
Das schnelle Wachstum hat zudem einen direkten Nutzen für die Gesellschaft: Je schneller ein Baum wächst, desto früher und mehr Kohlenstoff kann er aus der Atmosphäre speichern. Pappelbestände leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Blattbehaarung als praktischer Indikator für robuste Pflanzen
Ein einfacher „Flausch-Check“ der Blattunterseiten bietet Waldbesitzer:innen ein kostengünstiges Werkzeug zur Auswahl der besten Pflanzen direkt vor Ort. Die Dichte der Blattbehaarung (Pubeszenz) steigt mit dem Silberpappel-Anteil und zeigt die genetische Fitness und Stresstoleranz an. Das BFW empfiehlt daher die Messung der Blattreflexion als praxistaugliche Screening-Methode, um robuste Genotypen ohne teure Laboranalysen zu identifizieren. Das erleichtert Entscheidungen bei Aufforstung und Bestandesbegründung deutlich.
Gezielte Mischung aus Fitness und Vielfalt
Die Erkenntnisse helfen, Wälder gezielter zu gestalten. Für Aufforstungen in exponierten, trockenheitsgefährdeten Lagen sollten bevorzugt Hybride der ersten Generation (F1-Hybride) oder Rückkreuzungen mit hohem Silberpappel-Einfluss gewählt werden, da diese die besten Fitness-Eigenschaften vereinen. Gleichzeitig bleibt Vielfalt wichtig: Auch weniger wüchsige Baumarten wie die Zitterpappel sind für die Biodiversität zentral und sollten weiterhin Teil naturnaher Wälder sein.
Zukunftsfitte Auwälder durch evidenzbasierte Forschung
Die Studie unterstreicht, dass die Zukunft der Wälder nicht nur von der Baumart abhängt, sondern stark von ihrer genetischen Ausstattung geprägt ist. Dieses Wissen eröffnet neue Möglichkeiten, Wälder gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig, ökologisch stabil und klimarelevant zu gestalten. Durch klare Auswahlkriterien für Vermehrungsgut hilft das BFW den Bewirtschafter:innen, das Risiko von Fehlinvestitionen zu minimieren. Nur durch die gezielte Nutzung der genetischen Vielfalt können unsere Auwälder ihre Funktionen als wertvolle Rohstofflieferanten und ökologische Schutzräume auch unter künftigen Klimabedingungen erfüllen.
Originalartikel
Szamosvari, E., Ufimov, R., Criscuolo, N., Bresadola, L., Castiglione, S., Cicatelli, A., Lexer, C., & Loo, M. (2026). Effect of Genetic Ancestry on Ecologically Important Fitness Traits in Hybridizing Populus Species: Relevance for Conservation and Forest Management. Evolutionary Applications, 19. https://doi.org/10.1111/eva.70215
Rückfragen: Marianne Schreck, marianne.schreck@bfw.gv.at
