Kuriose Figur: Verpackungskünstlerin unter Motten
Beitragsinhalt
Aktuell ist sie wieder häufiger zu beobachten: die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella). Im Frühjahr fallen ihre auffälligen, silbrig-weißen Gespinste an Sträuchern und Hecken ins Auge und prägen zum Teil ganze Pflanzenbestände. Entwarnung: Sie ist weder giftig noch für die Sträucher gefährlich.
Die Raupen der, wie „Dalmatiner“ gemusterten Schmetterlinge fressen im Frühjahr – geschützt in hauchdünnen Geweben – vornehmlich den Gewöhnlichen Spindelstrauch (Euonymus europaeus) sowie den warzigen Spindelstrauch (Euonymus verrucosus). Je nach Intensität kann die befallene Pflanze kahl gefressen werden, wobei die sogenannten Gespinste mit den Fraßplätzen mitwachsen.
Gefräßig und fast harmlos
Es gibt mehrere Arten dieser Gattung, die sich weder als Raupe noch als Falter in ihrer Physiognomie deutlich voneinander unterscheiden. Da sie bei ihrer Futterwahl spezifisch sind, wird die Differenzierung fast ausschließlich über die befallene Pflanze vorgenommen. Obwohl sie in manchen Regionen massiv auftreten, kann entwarnt werden: Gefährlich für die Pflanzen sind sie in der Regel nicht. Bei besonders starker Vermehrung oder Nahrungsmangel können auch junge Triebe befressen werden, die dann absterben. Aber auch kahl gefressene Pflanzen treiben innerhalb kurzer Zeit wieder aus, sodass im Sommer vom Fraß kaum mehr als Gespinstreste zu sehen sind. An Pflanzen mit Triebfraß dauert die Regeneration etwas länger.
Auch im Wald stellen die Gespinstmotten keine Gefahr dar, selbst wenn sie in „Rekordjahren“ in der Lage sind, ganze Bäume einzuspinnen, wie das etwas länger zurückliegend bei der Traubenkirschengespinstmotte (Yponomeuta evonymella) in den Donauauen um Tulln der Fall war. Obwohl nur Traubenkirschen befressen wurden, wurden alle Bäume bis zum Boden eingesponnen und so in einen wahren Märchenwald verwandelt. Besonders wenn nach einem Regenguss die Sonne wieder durchbrach, glitzerte und funkelte der Wald, als wäre er aus einer anderen Welt. Von der Traubenkirschengespinstmotte liegen derzeit allerdings keine Meldungen über ein verstärktes Auftreten vor.
Vergleichsweise langsame Entwicklung
Ihre Fortpflanzungsrate beschränkt sich auf eine Generation pro Jahr. Die Populationsdichte hängt vom Auftreten natürlicher Gegenspieler, den meteorologischen Verhältnissen und dem Zeitpunkt des Blattaustriebes ab. Auch parasitäre Fliegen können den Larven zu schaffen machen, die sich entweder in oder an ihr festsetzen und sie so schwächen respektive töten. Die im Spätsommer des Vorjahres auf Zweigen abgelegten Eier überwintern, und Ende April/ Mai schlüpfen die Raupen, die sich dann zu einer Art Raupenknäuel zusammenfinden. Fressen und spinnen sind nun die angesagten Tätigkeiten, so lange bis sich die Larven verpuppen – je nach Art entweder auf der Pflanze oder in einem Gespinst am Boden. Nach der Puppenruhe schlüpfen die circa ein Zentimeter großen Falter mit dem auffallenden „dalmatinerartigen“ Aussehen: Die Vorderflügel sind weiß mit schwarz-bräunlichen Punkten und das hintere Flügelpaar ist bräunlich gefärbt. Der Kopf und die Fühler sind weiß.
Was tun?
Gespinstmotten tun nichts. Sie wollen nur fressen. Sie haben weder Gifthaare noch beißen sie. Deswegen kann man vereinzelt auftretende Raupenknäuel als faszinierendes Naturschauspiel belassen. Wenn sie zu viele Pflanzen erwischt hat, dann können die Nester jederzeit abgesammelt, mit dem Schlauch weggespritzt oder mit der Gartenschere entfernt werden. Im Wald macht man am besten nichts (und genießt in seltenen Fällen das Eintauchen in eine Märchenwelt).
Beitrag: Mag.a Marianne Schreck, marianne.schreck@bfw.gv.at
Experte: DI Bernhard Perny, bernhard.perny@bfw.gv.at

Foto: Bernhard Perny/BFW

Foto: Gernot Hoch/BFW
