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Steigende Temperaturen, steigendes Risiko für Borkenkäferschäden: Modelle helfen beim Waldschutz

Wald mit Bäumen, die von Borkenkäfern befallen sind und absterben.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten kam es vermehrt zu Massenvermehrungen von Borkenkäfern, insbesondere des Buchdruckers (Ips typographus), die auf immer größeren Flächen deutlich höhere Schäden verursachten als früher. Eine neue Übersichtsstudie von Forschenden der BOKU University unter Mitwirkung des BFW zeigt, wie moderne Risikomodelle dazu beitragen können, Europas Wälder besser vor der durch den Klimawandel zunehmenden Gefährdung durch Borkenkäfer zu schützen.

Steigende Temperaturen, häufigere Dürreperioden und mehr Extremwetterereignisse schaffen ideale Bedingungen für Borkenkäfer. Gleichzeitig geraten Fichtenbestände zunehmend unter Stress und verlieren ihre natürliche Abwehrkraft. Das Ergebnis: großflächige Waldschäden mit erheblichen ökologischen und wirtschaftlichen Konsequenzen.

Die aktuelle Studie „Assessing disturbance risks of the European spruce bark beetle under climate change: a review of model approaches and future perspectives“, veröffentlicht im renommierten European Journal of Forest Research analysiert systematisch die Modellansätze, die in den vergangenen 20 Jahren zur Einschätzung des Borkenkäfer-Risikos entwickelt wurden. Das Spektrum reicht von Phänologiemodellen, die Schwärmzeiten und Generationsfolgen berechnen, über räumliche Ausbreitungsmodelle und Modelle der Störungsdynamik bis hin zu komplexen Ökosystem- und Managementsimulationen. All diese Ansätze können helfen, Befallsrisiken frühzeitig zu erkennen und gezielt Gegenmaßnahmen zu setzen.

„Die in den letzten Jahren entstandenen und stets weiterentwickelten Modelle der Borkenkäferphänologie bieten bereits jetzt eine sehr gute Informationsquelle zum Entwicklungsstand der Borkenkäferpopulationen, die ein gutes Timing allfälliger Gegenmaßnahmen ermöglichen“, stellt Gernot Hoch vom Institut für Waldschutz am BFW fest. „Zunehmende Verfügbarkeit räumlich verorteter Daten zu Standorten und Waldbeständen erlauben erstmals eine Analyse der Gefährdung von Beständen auf der Fläche.“

Kombinierte Werkzeuge, wie das für Österreich entwickelte Borkenkäfer-Dashboard machen diese Informationen online und frei zugänglich. Ausgestattet mit dem nötigen Grundwissen, können Waldbewirtschaftende daraus Maßnahmen für das Borkenkäfermanagement ableiten.

Was besonders deutlich wird

Eine wirksame Risikobewertung muss mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtigen – die Anfälligkeit der Bestände, das Auftreten und die Populationsdynamik des Käfers sowie mögliche Wechselwirkungen mit Dürre oder Sturmschäden. Die Analyse zeigt, dass moderne Ansätze zunehmend auf hochauflösende Klima- und Fernerkundungsdaten sowie leistungsfähige Rechenmethoden zurückgreifen. Dank der Fortschritte in der Fernerkundung bei der Erkennung von Schadflächen und insbesondere der Zuordnung zu Schadursachen, an denen das BFW intensiv beteiligt ist, werden wichtige Informationen verfügbar (Waldfonds-Projekt FASE). Hochauflösende Standortsdaten, wie sie etwa im Rahmen der dynamischen Waldtypisierung verfügbar gemacht wurden, können weitere wesentliche Verbesserungen bringen. Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen – insbesondere bei der Integration aller Risikokomponenten (Anfälligkeit des Waldes, Auftreten des Käfers, Schadwirkung, Wechselwirkungen und räumlich-zeitliche Dynamik).

Potenzial für Frühwarnsysteme in „Echtzeit“

Die Forschenden sehen großes Potenzial für praxisnahe Frühwarnsysteme, die nahezu in Echtzeit arbeiten und Waldbewirtschaftende bei Monitoring und Management unterstützen könnten. Voraussetzung sei jedoch eine stärkere Verzahnung von Forschung und Praxis. Angesichts der fortschreitenden Klimaveränderungen wird eines deutlich: Ohne präzise Risikoanalysen wird ein erfolgreiches Borkenkäfermanagement nicht möglich sein. Wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen könnten künftig entscheidend dazu beitragen, Wälder widerstandsfähiger zu machen und ihre wichtigen Ökosystemleistungen zu sichern.

„Das Wissen über den aktuellen Entwicklungsstand der Käfer sowie über die Anfälligkeit von Beständen ist sowohl für reaktive Maßnahmen gegen Borkenkäfer, das ist vor allem das rechtzeitige Auffinden und Entfernen befallener Bäume, als auch für proaktives Management, wie die Herstellung nötiger Infrastruktur oder waldbauliche Maßnahmen, von Bedeutung“, erklärt Gernot Hoch abschließend.  

Hallas, T., Hoch, G., Kirisits, T., Netherer, S. 2026: Assessing disturbance risks of the European spruce bark beetle under climate change: a review of model approaches and future perspectives. European Journal of Forest Research 145:23. https://doi.org/10.1007/s10342-025-01841-x

Presse: Marianne Schreck, marianne.schreck@bfw.gv.at