Waldrenaturierung in Europa: Perspektiven aus der Praxis
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Wie gut gelingt die Renaturierung in Wäldern in der Praxis? Eine neue europäische Studie unter Federführung des BFW hat verschiedene Perspektiven zu Renaturierungserfolgen systematisch erhoben. Sie wurde im Fachjournal „Restoration Ecology“ (Wiley) veröffentlicht.
Wälder wiederherzustellen, gilt als Schlüssel, um der Zerstörung des Ökosystems und dem Artenrückgang entgegenzuwirken, Klimafolgen abzufedern und die Erholung in der Natur und alle anderen Vorteile der freien Natur weiter genießen zu können. Die im renommierten Fachjournal Restoration Ecology (Wiley) veröffentlichte Untersuchung hat sich sieben europäische Länder angesehen und mit den Teilnehmenden sieben Workshops abgehalten, um herauszufinden, was die größten Herausforderungen, Motivationen und Perspektiven derjenigen sind, die sich tagtäglich mit dem Erhalt und der Wiederherstellung des Waldes beschäftigen.
Basierend auf einem Mixed-Methods-Ansatz wurden diese Fragen mit insgesamt 203 Praktiker:innen aus Österreich, Bulgarien, Deutschland, Ungarn, Irland, Polen und Serbien auf den Grund gegangen. Außerdem nahmen110 Teilnehmende zusätzlich an einer Online-Umfrage teil. Vertreten waren Akteur:innen aus Verwaltung, Forschung, Privatwirtschaft, NGOs sowie Waldbesitz und Projektumsetzung. Diese wurden interaktiv zum Mitmachen, Teilen und Diskutieren motiviert, sodass ihre Perspektiven und Themen, die sie beschäftigen sichtbar gemacht werden.
Über die Herausforderungen
Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild der aktuellen Bedrohungen für europäische Wälder: Über Ländergrenzen hinweg werden vor allem Schädlinge, Krankheiten und invasive Arten als zentrale Treiber der Walddegradierung wahrgenommen. Gleichzeitig zeigen sich regionale und nationale Unterschiede: Während in Irland und Österreich Überweidung besonders betont wird, stehen andernorts stärker Landnutzungskonflikte oder Urbanisierung im Fokus.
„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Waldrenaturierung zwar gemeinsame Ziele verfolgt, ihre Umsetzung jedoch stark vom lokalen Kontext abhängt“, erklärt Studienautorin und Leiterin des Instituts für Waldbiodiversität und Naturschutz Katharina Lapin.
Was Praktiker:innen motiviert und bremst
Die Motivation der Praktiker:innen speist sich vor allem aus dem Wunsch, Waldökosysteme langfristig zu stabilisieren und zu erhalten, aber auch aus einem Verantwortungsgefühl heraus und dem Glauben, Veränderung bewirken zu können. Gleichzeitig zeigen sich neben den ökologischen Herausforderungen wie Schädlingsbefall der Bäume und zunehmende Trockenheit auch strukturelle Hürden: Trotz dieser Herausforderungen berichten die Befragten von klaren Fortschritten, etwa bei Monitoring- und Bewertungstechnologien, bei einer breiteren Zielsetzung von Restaurierungsprojekten sowie ein steigendes Umweltbewusstsein in der Gesellschaft. Zugleich wird deutlich, dass Erfolgskriterien noch nicht überall systematisch erfasst werden.
„Die Waldrenaturierung ist zwar erst durch die EU-Wiederherstellungsverordnung (Verordnung (EU) 2024/1991 über die Wiederherstellung der Natur und zur Änderung der Verordnung (EU) 2022/869) ins Scheinwerferlicht geraten, aber in Europa können wir bereits auf eine reichhaltige Expertise in der forstlichen und naturschutzfachlichen Praxis zurückgreifen“, erklärt die Renaturierungsexpertin Johanna Hoffmann.
„Die positiven und negativen Erfahrungen der Praktiker:innen sind das Fundament jeder Wiederherstellungsinitiative. Sie übersetzen ambitionierte politische Ziele wie das EU-Wiederherstellungsgesetz in die Realität. Ihre lokale Expertise und Motivation sind unsere wertvollste Ressource, doch sie werden in der Politikgestaltung noch zu oft übersehen. Für eine langfristig erfolgreiche Waldrenaturierung braucht es einen kooperativen Ansatz, der Praktiker:innen stärker in politische Entscheidungsprozesse einbindet. Nur so lassen sich ambitionierte Ziele mit realen Bedingungen vor Ort in Einklang bringen und Maßnahmen resilient gegenüber zukünftigen Klimarisiken gestalten“, fasst Katharina Lapin abschließend zusammen.
Diese Forschung wurde durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union im Rahmen des Projekts SUPERB (Grant Agreement No. 101036849) finanziert.
Quelle: Lapin, K. et al. (2025). Challenges, motivations, and perspectives of practitioners on forest restoration across seven European countries. Restoration Ecology, veröffentlicht am 11. August 2025. DOI: 10.1111/rec.70160.
Zum wissenschaftlichen Artikel
Presse: Marianne Schreck, marianne.schreck@bfw.gv.at