Europaweiter Trend: Zunehmende Waldschäden durch Insekten
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Die in Österreich deutlich spürbare Zunahme von Borkenkäferschäden entspricht einem gesamteuropäischen Trend. Eine internationale Studie unter der Leitung der Czech University of Life Sciences in Prag und mit Beteiligung des BFW analysierte Waldschädigungsdaten aus 15 zentral-, ost- und nordeuropäischen Ländern über einen Zeitraum von 23 Jahren. Die Ergebnisse wurden 2025 in Global Change Biology (Hlásny et al.) veröffentlicht.
Deutlicher Anstieg bei Borkenkäfern
Im Untersuchungszeitraum verursachten rinden- und holzbrütende Insekten – vor allem Borkenkäfer (Ips typographus) – Schäden an rund 684 Millionen m³ Holz. 98,4 % davon entfielen auf Nadelholz, insbesondere auf Fichte (92,3 %). Allein bei der Fichte lag die jährliche Schadensrate bei 0,53 % des Vorrats. Hauptverursacher war der Buchdrucker, der für 85,8 % der gesamten Schäden verantwortlich war. Zwei markante Schadensspitzen traten zwischen 2002 und 2008 sowie, deutlich stärker, nach 2015 auf. Während Schäden durch Rinden- und Holzbrüter im 21. Jahrhundert mit einer jährlichen Rate von 7,8 % signifikant zunahmen, gingen Schäden durch Blatt- und Nadelfresser (z. B. Schmetterlingsraupen) insgesamt zurück. Dennoch zeigte sich über alle untersuchten Insektengruppen hinweg ein klarer Zusammenhang: Höhere Schädigungsraten traten in wärmeren und trockeneren Regionen sowie in entsprechenden Jahren auf.
Klimawandel verstärkt Risiken
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mit fortschreitender Klimaerwärmung das Risiko für Waldschäden weiter steigt. Besonders anfällig sind Nadelholzbestände, wobei sich ein Großteil der Schäden auf wenige Arten konzentriert – etwa auf den Buchdrucker (Ips typographus) bei Fichte oder den Sechszähnigen Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus G.) bei Kiefer.
Laubbaumarten wurden zwar ebenfalls geschädigt, jedoch durch eine größere Vielfalt an Insektenarten. Ein signifikanter steigender Trend ließ sich hier nicht feststellen. Die Studienergebnisse stützen daher die Empfehlung, die Baumartenvielfalt in Wäldern zu erhöhen, um Risiken zu streuen.
Grenzen der Datengrundlage
Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Schadfaktoren gleich gut erfasst werden. Rasch abtötende Borkenkäfer sind in den Meldesystemen meist besser dokumentiert als langsam wirkende Faktoren. Pilzliche Krankheitserreger sowie neu auftretende invasive Arten wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Auch gravierende Entwicklungen wie das Eschentriebsterben sind im Datensatz nicht vollständig abgebildet.
Diese „bekannten Unbekannten“ unterstreichen die Notwendigkeit eines umfassenden Waldschutzes im Kontext des globalen Wandels.
Bedeutung von Monitoring und integriertem Waldschutz
Für Österreich flossen Daten aus der Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren (DWF) in die Analyse ein. In diesem System werden Schäden durch spezifische Faktoren jährlich durch die Forstdienste erhoben und vom BFW ausgewertet. Insgesamt konnten europaweit 1.361 Zeitreihen zu 50 Insektenarten analysiert werden.
Die Studie zeigt deutlich: Belastbare, schadfaktorspezifische Monitoringsysteme sind essenziell, um Trends frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Gefordert ist ein integriertes Waldschutzmanagement, das Monitoring, Prävention, kurative Maßnahmen sowie Vorsorge für Kalamitätsfälle umfasst.
Zugleich wird deutlich, dass eine stärkere Harmonisierung und ein verbesserter Datenaustausch zwischen den europäischen Ländern wünschenswert wären, um Entwicklungen künftig noch besser bewerten zu können.